Förderung für das
soziale und kulturelle Leben in Kirchberg

















Förderpreis der Bürgerstiftung an den Freundeskreis Asyl


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Anerkennung für das große Engagement: Jürgen Scharch (hinten rechts) überreichte Pfarrer Alfred Holbein, Angelika und Bernard Cantré und Petra Daubek vom Freundeskreis Asyl (von links) den Förderpreis der Bürgerstiftung Kirchberg.

„Sie haben sich auf die neuen Mitmenschen gefreut“

Interkulturelle Woche In Kirchberg dreht sich gerade viel um Flucht und Migration. Der Freundeskreis Asyl hat den Förderpreis der Bürgerstiftung bekommen. 


Wir beten für die Menschen in Syrien, die noch immer unter Krieg und Terror leiden. Wir beten für den Frieden in der ganzen Welt“, sagen Linda Katoun und Yara Okko, beide aus Damaskus, Syrien. „Ich bitte um ein gutes Leben für jeden in Europa, Afrika und der ganzen Welt“, sagt Kingsley Friday aus Benin City, Nigeria. „Ich bitte um Gottes Barmherzigkeit“, so lautet die Fürbitte von Edna Abbey aus Edo, Nigeria.


Dass die christliche Kirche von Anfang an eine internationale war, das hatte Pfarrer Alfred Holbein zuvor betont, denn schon zum ersten Pfingsten kamen, so ist es der Apostelgeschichte zu entnehmen, Männer und Frauen aus der ganzen damals bekannten Welt zusammen.


In Kirchberg gestalteten gestern Christen aus Afrika, Arabien und Deutschland den Gottesdienst, erzählten, wie das Christentum bei ihnen gelebt wird. Sie wurden dabei von Angelika und Bernard Cantré unterstützt. Den Gottesdienst begleitete der Orgelsachverständige Burkhart Goethe, der die frisch sanierte Kirchberger Orgel ausprobieren wollte und allen ein sehr bewegendes chassidisches Friedenslied sang.


Der Gottesdienst war der Auftakt zu einer ganzen Reihe von Veranstaltungen, die der Freundeskreis Asyl für die Interkulturelle Woche in Kirchberg organisiert. Zu besichtigen ist seit gestern eine Ausstellung im Foyer des Rathauses, die eines zeigt: Flucht und Migration sind fast so etwas wie ein Normalzustand, auch wenn sie für die Betroffenen alles andere als normal sind. Für sie ist die Erfahrung lebensprägend und oft genug traumatisch.


Immer wieder hier gestrandet


„Viele können nicht darüber sprechen“, sagte Angelika Cantré. „Sie haben Dinge erlebt, für die es keine Worte gibt.“ Auch diese Erfahrung teilen Flüchtlinge aller Jahrhunderte. Immer wieder sind sie auch in Kirchberg gestrandet, „angekommen“, wie es in der Ausstellung heißt. Spätaussiedler aus Kasachstan, zum Beispiel, oder Exilanten aus dem Alpenland. „Immer wieder gab es Flucht und Vertreibung“, erklärte Angelika Cantré, „wir zeigen Beispiele aus drei Jahrhunderten.“


Vier Flüchtlinge, die in Kirchberg leben, kamen direkt zu Wort: ein Heimatvertriebener, den es nach dem zweiten Weltkrieg nach Kirchberg spülte; ein Mädchen, das 1950 aus der russischen Besatzungszone floh und später nach Kirchberg heiratete; eine syrische Familie und ein junger Flüchtling aus Nigeria.


Ein Menschheitsthema


Hier werde deutlich, dass „Flucht ein Menschheitsthema ist“, sagte Angelika Cantré bei der Ausstellungseröffnung, die die Bürgerstiftung Kirchberg dazu nutzte, dem Freundeskreis ihren Förderpreis zu verleihen. Damit wolle die Bürgerstiftung den „überragenden Einsatz“ des Freundeskreises würdigen, erklärte der Vorsitzende der Stiftung, Jürgen Scharch. Das weitgehend reibungslose Miteinander in Kirchberg sei ihm zu verdanken. Als etwa 2015 klar war, dass viele Flüchtlingen auch nach Kirchberg kommen würden, „da hatte man den Eindruck, dass die Ehrenamtlichen des Freundeskreises diese Aufgabe nicht gezwungenermaßen angenommen haben. Sie haben sich auf die neuen Mitmenschen gefreut.“


Der Freundeskreis habe das Prinzip der Gastfreundschaft verinnerlicht. „Ich weiß, dass ihr den Preis – 1000 Euro – gut einsetzen werdet.“


Pfarrer Holbein freute sich als Vorsitzender des Freundeskreises, dass die Arbeit der Ehrenamtlichen gewürdigt werde, denn das sei nicht immer und überall der Fall. „Allerdings ist es nicht die Öffentlichkeit. Es ist die Politik, die uns in den letzten Monaten immer stärker ins Gesicht bläst. An die AfD haben wir uns ja gewöhnt. Aber dass wir hier in Baden-Württemberg einen Innenminister haben, der sich mit seinen hohen Abschiebezahlen brüstet, das erfüllt mich mit Sorge.“

 

Quelle: www.swp.de
Ute Schäfer 28.09.2020
Foto: Ute Schäfer






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